Forum Weimarplatz

Auf dem Gelände des Weimarer Gauforums in der “Halle der Volksgemeinschaft” hat im November 2005 ein Shoppingcenter eröffnet. Mit dieser Nutzung bleiben aber viele Fragen unbeantwortet. Das Forum Weimarplatz sollte als Internetforum der Weimarer Bevölkerung Gelegenheit geben, diese Fragen öffentlich zu diskutieren.

Die Ausstellung “Das Gauforum in Weimar - Ein Erbe des Dritten Reiches”


Im Juni 1999 wurde die Ausstellung “Das Gauforum in Weimar- Ein Erbe des Dritten Reiches” eröffnet. Ziel des Ausstellungsprojektes ist es, die Bau- und Nutzungsgeschichte des Weimarer Gauforums zwischen 1937 und heute zu dokumentieren sowie Erkenntnisse der Kunst- und Architekturgeschichte im Kontext der Weimarer Stadtgeschichte des 20. Jahrhunderts zu präsentieren. Im unübersehbaren architektonischen Relikt vergangener Epochen sollen bekannte, längst vergessene oder gar verdrängte Aspekte der Lokal-, Regional- und Nationalgeschichte verdeutlicht werden. Die Austellung versteht sich als Zwischenergebnis eines weiterhin offenen Diskussions- und Gestaltungsprozesses und möchte zu künftigen Ideen des “Umgangs mit dem Erbe” anregen. Die in einem Seitenfoyer des sog. “Turmhauses” (ehemaliges “Reichsstatthalter-Gebäude”) gezeigte Ausstellung wird vom Thüringer Landesverwaltungsamt (Hausherr), der Stadt Weimar (Eigentümer) und der Bauhaus-Universität Weimar (wissenschaftliche Betreuung) getragen. Sie wurde möglich durch die finanzielle Unterstützung des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Die Konzeption wurde erarbeitet von der Kunsthistorikerin Dr. Christiane Wolf, dem Architekten Dr. Norbert Korrek und dem Historiker und Germanisten Justus H. Ulbricht.

Aktion am Weimarplatz

Konservative, Deutschnationale und Völkische in Weimar

Daß der Nationalsozialismus in Thüringen sehr früh Fuß fassen konnte, bereits 1930 Regierungsverantwortung bekam und 1932 endgültig triumphierte, geschah nicht voraussetzungslos. Demokratische und liberale Positionen hatten es immer schon schwer in einer Stadt, deren politische ÷ffentlichkeit mehrheitlich durch monarchische Eliten, konservative Bildungsbürger, Rentiers, Pensionäre und eine zahlenmäßig eher geringe Arbeiterschaft geprägt war. Bereits ab 1900 bildete sich in Weimar um die völkischen Schriftsteller Ernst Wachler, Adolf Bartels, Johannes Lehmann-Hohenberg sowie den konservativen Friedrich Lienhard ein enges Netzwerk antidemokratischer, ästhetisch traditionell orientierter Intellektueller und Künstler, das Kontakte in ganz Deutschland besaß. Die nationalistischen und oft auch antisemitischen Positionen dieser Kreise blieben lange eine Minderheitenmeinung. Nach Kriegsniederlage, Revolution und dem als erniedrigend empfundenen Friedensschluß von Versailles (1919) jedoch fanden sie immer mehr Anhänger auch im eher national-konservativen Milieu. Alte Monarchisten, ehemalige Offiziere und Beamte, große Teile des gebildeten Bürgertums und jüngere Angehörige der sog. “Frontkämpfer”-Generation verharrten von Anfang an in Distanz zur neuen parlamentarischen Demokratie. Die traditionellen Verehrer der Klassik meinten gar, durch die Anwesenheit der Nationalversammlung seien Weimar und das Nationaltheater entweiht und entehrt worden. Antirepublikanische Gruppen und Kreise begannen folglich unmittelbar nach Staats- und Landesgründung (1919, 1920), Weimar real und symbolisch zurückzuerobern. In einer Fülle von Festen, Feiern, politischen Aufmärschen und Massenversammlungen zeigten sie Flagge und versuchten, ihre politischen und weltanschaulichen Widersacher, vor allem die Liberalen und die Sozialdemokraten, systematisch zu stigmatisieren, zu bekämpfen und “ wenn möglich “ aus dem traditionsreichen “Herzen deutscher Kultur” zu verjagen. Die erfolgreiche Vertreibung des “Staatlichen Bauhauses” unter Walter Gropius und der grundlegende Wandel der politischen Mehrheiten im Landtag (“Ordnungsbund”-Regierung) fielen ins selbe Jahr: ab 1925 verlor die Weimarer Republik immer mehr Anhänger in Thüringen, vor allem aber in der Stadt, die ihr den Namen gegeben hatte. Geistiges Zentrum eines ästhetisch anspruchsvollen Antirepublikanismus wurde in jenen Jahren das Nietzsche-Archiv, das die Schwester des Philosophen, Elisabeth Förster-Nietzsche, leitete. Auch die Goethe-Gesellschaft und deren Weimarer Vorstände bezogen eine angeblich “unpolitische” Position jenseits der Parteipolitik, waren aber selbstverständlich national und antisozialistisch orientiert. Dies galt in noch viel stärkerem Maße für die Militär- und Kriegervereine, einzelne paramiltärische Kampfbünde (“Jungdeutscher Orden”, “Wehrwolf”), bestimmte “patriotische” Frauenverbände und zahlreiche andere bürgerliche Vereine.

Aufstieg und Triumph des Nationalsozialismus

Im weitgehend antirepublikanischen bürgerlichen Milieu Weimars fanden radikale Nationalisten und Nationalsozialisten Sympathisanten, Anhänger und offene Befürworter. Die von Anfang an nach der politischen Macht strebenden Nationalsozialisten eroberten mit Hilfe dieses “unpolitischen” Bürgertums immer mehr kultur-, kommunal- und landespolitisches Terrain in Weimar und Thüringen. Erstmals 1920 trafen sich die wichtigsten völkischen Verbände Deutschlands zu einem sog. “Deutschen Tag” in Weimar. Vier Jahre später führte die “Nationalsozialistische Freiheitsbewegung Großdeutschlands”, eine Auffangorganisation der seinerzeit verbotenen NSDAP, einen “Reichsparteitag” mit anschließendem “Deutschen Kulturbekenntnis” auf allen Plätzen Weimars durch. Im März 1925 kam der eben aus Landsberg entlassene Adolf Hitler als Privatmann in die Klassikerstadt. Im Sommer 1926 kehrte er als unumstrittener “Führer” der wieder zugelassenen NSDAP zu deren “Reichsparteitag” an die Ilm zurück. Hitlers Weimarer Gefolgsleute, insbesondere der ihm treu ergebene Fritz Sauckel (Gauleiter ab 1927) und der Herausgeber des NS-“Kampfblattes” “Der Nationalsozialist” Hans Severus Ziegler scharten immer mehr Anhänger um sich. Prominente Bildungsbürger wie Carl von Schirach, der Vater des späteren “Reichsjugendführers” Baldur, oder der Architekt Paul Schultze-Naumburg machten aus ihren Sympathien für den Nationalsozialismus keinen Hehl. Die zunehmend aggressive Konfrontation demokratischer und antirepublikanischer Kräfte in den späten Jahren der Republik taten ein übriges, um das Ansehen der Demokratie in den Augen der Wählermehrheit zu erschüttern. Nachdem bereits 1930 mit Wilhelm Frick und Willy Marschler zwei Nationalsozialisten Regierungsverantwortung trugen, brachte die Landtagswahl vom Juli 1932 Gauleiter Sauckel an die Spitze einer neuen Regierung. Sauckel, gleichermaßen durchsetzungswillig wie organisatorisch hochbegabt, veränderte in wenigen Monaten das Gesicht Thüringens radikal und gestaltete seinen Gau zum “Muster-” und “Trutzgau” um. Dieser profilierte sich zugleich kulturpolitisch (Woche des deutschen Buches 1934“42, Großdeutsche Dichtertage 1938“42, Weimar-Tage deutscher Dichter 1942“44), wirtschaftlich (Gustloff-Werke) und terroristisch (KZ Buchenwald, ab 1937). Weimar als Gauhauptstadt avancierte zum beliebten Aufmarschplatz und sollte auch stadtplanerisch zum sichtbaren Zentrum von Sauckels Macht umgestaltet werden, wobei das kulturelle Erbe der Klassikerstadt “ nicht ohne Verschulden seiner bürgerlichen Verehrer “ ins Kalkül der Nationalsozialisten integriert wurde. Nach Kriegsbeginn, deutlicher jedoch nach der militärischen Wende bei Stalingrad (1942/43), erlosch jedoch das unmittelbare Interesse der Machthaber an Weimars Kultur, deren städtische Repräsentanten allerdings bis zum Kriegsende fast ausnahmslos konform und regimetreu funktionierten.

1933-1938 Die Nationalsozialistische Bauaufgabe “Gauforum”

1933-1938 Die Nationalsozialistische Bauaufgabe “Gauforum”
Für Hitler war Architektur ein vielseitiges, öffentliches und überall präsentes Medium, mit dem er schnell und deutlich die Machtansprüche seines Regimes sowie dessen politische Erfolge dokumentieren konnte. Zu diesem Zweck wurde das Baugeschehen in den ersten zwei Jahren nationalsozialistischer Herrschaft auf Einzelbauvorhaben beschränkt, die zügig umgesetzt werden konnten. In diesem Zusammenhang sind ebenfalls die Planungen für einzelne “Gauhauptstädte” einzuordnen, die unmittelbar ab 1933 zu Zentralen der mittleren Parteiinstanzen, der Gauverwaltungen, geworden waren. Mit den ersten Monumentalbauten in München (“Hauptstadt der Bewegung”), Berlin (“Reichshauptstadt”) und Nürnberg (“Stadt der Reichsparteitage”) beabsichtigte das Regime, seine Präsenz im öffentlichen Raum unübersehbar anzuzeigen. In diesen “Führerstädten” entstanden Bauprojekte, deren Architektursprache der Selbstdarstellung des NS-Systems diente und deren Bauformen neue Räume für spezifische Kult- und Feierformen eröffneten. In einzelnen Gauhauptstädten, etwa Weimar und Dresden, traten in den Jahren 1933 und 1934 regionale Parteivertreter mit der Bitte an Hitler heran, ihre Städte ähnlich wie München durch einen repräsentativen Verwaltungssitz für die Gauleitung auszuzeichnen. Außerdem war gewünscht, an diesen Orten die “Toten der nationalsozialistischen Bewegung” ehren und “Massenaufmärsche und -versammlungen” inszenieren zu können. Vorbild waren hierbei offensichtlich die alljährlichen Programme der Nürnberger Reichsparteitage. Dort “ wie in den Zentren der Provinzen “ galt es, das Volk inszenatorisch zur “Volksgemeinschaft” zu stilisieren und als Kultgemeinschaft auf das Regime einzuschwören. Aus diesem Anspruch heraus erwuchs die neue Bauaufgabe “Gauforum” mit einem festen Bauprogramm, das schrittweise erweitert wurde. Ab 1937 war dann in der gültigen Variante vorgesehen, diese als geschlossene Komplexe ausgebildeten Foren (Halle, Gauhaus, Glockenturm, Verwaltungsbauten, Aufmarschplatz) als neue nationalsozialistische Zentren den historischen Stadtkernen gegenüberzustellen und jene durch eine repräsentative Straßenführung (“Achse”) an die Innenstädte bzw. das überregionale Verkehrssystem anzuschließen. Hitler selbst wählte als Musterstadt zum Bau eines prototypischen Forums Weimar aus und definierte somit das Bauprogramm für alle anderen Städte. Zeitgleich mit den Planungen in Weimar liefen die für Dresden und Köln an; zur Ausführung aber kam schließlich nur das Weimarer Bauvorhaben. In den Jahren 1937 und 1938 wurde das Weimarer Forum Thema nicht nur zahlreicher Zeitschriftenaufsätze, sondern auch auf der ersten “Deutschen Architektur- und Kunsthandwerk-Ausstellung” (22. Januar “ 18. April 1938) präsentiert.

1909-1934 Standortfragen

Der weimartypische Mythos einer Versöhnung von Geist und Macht, den man in der ƒra Carl Augusts und Goethes idealtypisch verwirklicht sah, bestimmte auch die ersten ‹berlegungen der neuen nationalsozialistischen Herren über einen möglichen Standort für ein repräsentatives Verwaltungszentrum. Am 21. Oktober 1933 meldete die “Thüringische Staatszeitung”, ein “Riesenbauprojekt für Weimar” sei soeben von Paul Schultze-Naumburg, dem damals örtlich bekanntesten Architekten, dem “Führer” in Berlin vorgestellt worden. Der Architekt wolle am Alexanderplatz (heute: Beethovenplatz) ein neues “Regierungsviertel” schaffen. Das künftige “Reichsstatthalter-Gebäude” werde an der Stelle der Hofgärtnerei beim Liszt-Haus errichtet. Schultze-Naumburgs Plan sah außerdem eine bauliche Verbindung zwischen dem Goethe-Nationalmuseum und den neuen Regierungsgebäuden vor. Die Grundsteinlegung war für das Frühjahr 1934 vorgesehen. Diese Planungen zerschlugen sich allerdings sehr schnell, da der interessierte Blick der örtlichen und überregionalen NS-Eliten inzwischen auf den Platz vor dem Landesmuseum gefallen war. Auch dieser Ort hatte eine besondere Vorgeschichte, an die die ‹berlegungen des Jahres 1934 und 1935 anknüpften. Bereits 1909 hatte der Stadtrat beschlossen, im westlich des Schwansees liegenden Bereich eine Stadthalle zu errichten. Vier Jahre darauf legte Stadtbaurat August Lehrmann einen Entwurf vor, der als “Kulturprojekt” in die städtischen Annalen eingegangen ist. Das Objekt gedieh bis zu den Fundamenten und der Grundsteinlegung (Herbst 1913), doch unterbrach der Erste Weltkrieg die weitere Bautätigkeit. Im Jahre 1918 unterbreiteten Prof. Dr. Paul Klopfer von der Baugewerkschule und Stadtbaumeister Max Vogeler unter dem Titel “Deutsche Heldenehrung” den “Entwurf einer Kriegserinnerungsstätte”. Dies kurz als “Kriegerdank” bekannte Konzept sah die vollkommene Umgestaltung des Asbachgrünzugs in westlicher Richtung vor, wo ein “städtischer Sportpark” im Anschluß an eine Stadthalle mit Turnhalle und Schwimmbad hätte entstehen sollen. Vor der eigentlichen “ als Rundtempel gestalteten “ “Kriegserinnerungsanlage” war ein Festplatz für “vaterländische Feiern” konzipiert. Im Jahre 1924 lobte Oberbürgermeister Mueller einen Ideenwettbewerb zur “Errichtung eines Saalbaus” als Stadthalle aus; die Debatten darüber zogen sich bis 1928 hin. Max Vogeler und August Lehrmann legten in diesem Jahr einen überarbeiteten Entwurf des alten “Kulturprojekts” vor. Die gewünschte Stadthalle lag nunmehr unmittelbar hinter den Bertuchschen Häusern, also bereits an der Stelle, an der zum Goethejahr 1932 dann die “Weimarhalle” errichtet worden ist. Eine “Freie Vereinigung Weimarer Architekten” schaltete sich 1930, als der Nationalsozialist Wilhelm Frick bereits thüringischer Innen- und Volksbildungsminister war, mit der Veröffentlichung eines “Gutachtens über den Plan der Erbauung einer Stadthalle in Weimar” in die Debatte ein. Der Verfasser, der neuernannte Kunsthochschul-Rektor Paul Schultze-Naumburg, stellte hier “Erwägungen über die Wahl eines anderen in Betracht kommenden Bauplatzes” für eine Stadthalle an, die den späteren Standort des Gauforums ins Spiel brachten. Er richtete den Blick der ÷ffentlichkeit auf den “Karl-August-Platz” vor dem Landesmuseum.

Weimarer Aktivitäten: August Lehrmann und Paul Schultze-Naumburg

Der erste Vorschlag, neue Regierungsbauten am Alexanderplatz (Beethovenplatz) zu errichten, war bei den städtischen Planern, vor allem aber bei Hitler selbst auf Kritik gestoßen. Die Nähe der neuen Bauten zum Ilmpark und zum Goethe-Nationalmuseum hätte der selbstzugeschriebenen Rolle der Nationalsozialisten als “Wahrer deutschen Kulturgutes” entsprochen. Die gewünschten Bauten sollten andererseits jedoch mit den überwundenen, kleinstaatlich-feudalen Verhältnissen der Großherzogszeit keinesfalls verwechselt werden, sondern ein eigenständiges Zeugnis “für den Aufbau des Dritten Reiches für die Zukunft ablegen”. Aus nationalsozialistischer Sicht bot der Standort am Museumsplatz mehrere Vorteile: Dort konnte man an ältere städtebauliche Programme anschließen und das Gauforum im unmittelbaren Sichtkontakt zur Altstadt errichten. Zugleich aber wurden die Orte der klassischen Geschichte Weimars nicht tangiert. Mit der Entwicklung erster Ideen beauftragte der Gauleiter im November 1934 drei Architekten: den Stadtoberbaurat August Lehrmann, den Ministerialrat im Finanzministerium Friedrich Voigt und den Rektor der “Staatlichen Kunsthochschulen” Paul Schultze-Naumburg. Auf Anordnung Sauckels, der sich zu seiner Legitimation auf Hitler berief, gehörten ein “Reichsstatthalter-Gebäude”, ein Bürogebäude für die “Deutsche Arbeitsfront” (die Zwangskorporation der Arbeitnehmer), ein Gauverwaltungsgebäude und ein Divisionsstabsgebäude für die Reichswehr zur Bauaufgabe. An eine Halle, die wenig später zum zentralen Bau aller Gauforen werden sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht. Mit diesem Auftrag war der Startschuß für die Entwicklung zahlreicher weiterer Planentwürfe gegeben, die zum Teil weit über das formulierte Bauprogramm hinausgingen. So konzipierte Lehrmann Ende 1934 einen großräumigen Verwaltungsbezirk mit einer Museumsmeile entlang des Weimarhallenparks. In seinen folgenden Projekten ging Lehrmann dazu über, eine geschlossene Platzanlage zu entwerfen, da “ so Hitler “ “das neue Forum bei größeren Feiern Ruhe und Schutz vor Lärm gewähren” solle. Hitlers maßgeblicher Berater in Baufragen, der Architekt Albert Speer, kritisierte jedoch die fehlende Monumentalität der Lehrmannschen Entwürfe und favorisierte Schultze-Naumburgs Vorschlag, dessen geplante Platzanlage genügend Raum für Massenaufmärsche bot. Dem Votum Speers entsprechend, glich Lehrmann seine Folgeprojekte dem Konzept Schultze-Naumburgs an und konnte damit letztendlich die Gunst Hitlers erlangen. Bei einer Begutachtung der verschiedenen Entwürfe im Landesmuseum entschied Hitler am 7. Juli 1935, daß auf der Grundlage des Lehrmannschen Entwurfs ein Wettbewerb auszuarbeiten sei.

1935-1936 Der Architekten-Wettbewerb

Am 11. November 1935 erging an zehn Architekten eine “Aufforderung des Gauleiters und Reichsstatthalters zur Anfertigung von Entwürfen für die Errichtung bedeutender Bauwerke des Reiches, der Partei und der Deutschen Arbeitsfront in Weimar”. Fritz Sauckel beschwor in diesem Zusammenhang die “Geschlossenheit”, “Geradlinigkeit”, “Wucht” und “Größe” der geplanten Gebäude, die für Weimar ein “monumentales Bekenntnis” zur “neuen nationalsozialistischen Willens- und Gestaltungskraft” darstellen sollten. Die Anordnung der Gebäude und die Ausformung der Anlage wurde detailliert vorgegeben: Entstehen sollte ein großer Kundgebungsplatz, der von einem oder mehreren Gebäuden der Gauverwaltung, einer repräsentativen Reichsstatthalterei als Hauptbau im Osten und einem Gebäude der Deutschen Arbeitsfront im Westen gerahmt wird. Die Architektenauswahl wurde von der Gauleitung Thüringen, dem Münchner Atelier des inzwischen verstorbenen “ersten Baumeisters” des Dritten Reichs, Paul Ludwig Troost, und dem Berliner Architekten Albert Speer vorgenommen. Zur Erläuterung der gestellten Aufgabe wurden die Architekten nach München eingeladen. Die dort vorgenommene Besichtigung der gerade im Bau befindlichen Parteizentrale am Königsplatz, diente wahrscheinlich der Einführung in die gestalterischen Vorstellungen des Regimes. Einen Tag nach der Rückkehr aus München fand am 12. November 1935 in Weimar die Besichtigung des topographisch schwierigen Bauplatzes am Asbachgrund statt. Die eingereichten Entwürfe wurden im März 1936 in der Reichskanzlei Berlin ausgestellt und von Hitler persönlich begutachtet. Eine Entscheidung blieb aus, da Hitler das Bauprogramm um eine “ca. 15.000” Personen fassende Halle erweiterte und einen zweiten Wettbewerbsdurchgang vornehmen ließ. Nicht mehr das Gebäude des “Reichsstatthalters” sollte in der Mittelachse des Aufmarschplatzes stehen, sondern eine “Halle der Volksgemeinschaft”. Dahinter stand die Idee, auch in den Gauhauptstädten ähnliche Parteizeremonien wie in München und Nürnberg abzuhalten. Im Juni 1936 fiel die Entscheidung über den Wettbewerbssieger in Berlin zugunsten Hermann Gieslers. Mit ihm entschied sich Hitler für einen Architekten, der durch seine politische Tätigkeit bereits bei der obersten Parteiführung bekannt war und auch von der “Deutschen Arbeitsfront” favorisiert wurde.

1933-1944 Hermann Giesler (1898“1987) Karriere eines Architekten

Hermann Gieslers Wettbewerbserfolg eröffnete dessen Blitzkarriere als Architekt im Dritten Reich. Neben Speer avancierte er Ende der dreißiger Jahre zum vertrauten Architekten Hitlers, der ihn außer mit dem Weimarer Gauforum noch mit anderen bedeutenden Bauaufgaben betraute: unter anderem mit der Neugestaltung von München (1938) und dem Ausbau von Linz/Donau (1940). Mit der Ernennung zum “Generalbaurat” für München erhielt Giesler “ ähnlich wie Speer für Berlin “ nahezu uneingeschränkte planerische Machtbefugnisse über die Region um die “Hauptstadt der Bewegung”. Gieslers Tätigkeit in Weimar beschnitt die Planungshoheit städtischer Behörden, die bereits mit Hitlers Eingreifen 1934 und 1935 angetastet worden war, weiter. Ab Mitte der dreißiger Jahre beeinflußte nicht mehr Stadtoberbaurat Lehrmann das Weimarer Baugeschehen, sondern der auswärtige Architekt Giesler. Während das Gauforum entstand, erhielt dieser die Aufträge zum Neubau des “Fremdenhofs Haus Elephant” und des ersten “Reichsstatthalter-Dienstwohngebäudes” in Deutschland, der Villa für Sauckel in der Windmühlenstraße. Außerdem wurde er mit der Neugestaltung Weimars betraut. Mit der Entscheidung des Wettbewerbs zugunsten Gieslers hörte die persönliche Einflußnahme Hitlers auf das Bauprojekt jedoch keineswegs auf. Dieser bestellte den Wettbewerbssieger zur Besprechung seines Entwurfs in die Reichskanzlei “ ein Vorzug, der nur ganz wenigen Architekten eingeräumt wurde. Anscheinend wollte Hitler sich ein persönliches Bild von demjenigen Architekten machen, den er mit dem Bau des ersten Gauforums und eventuell nachfolgender Projekte beauftragen wollte. Bei dieser Unterredung wurde das Bauprogramm nochmals modifiziert. Hitler wünschte ausdrücklich, die Anlage nach außen durch einen Glockenturm zu akzentuieren, dessen Läuten die Bevölkerung zu Versammlungen auf den Aufmarschplatz rufen sollte. Die Grundstruktur des Gieslerschen Entwurfs wurde trotz dieser Eingriffe allerdings beibehalten, zumal Hitler selbst auf eine baldige Umsetzung des Projekts Wert legte. Damit war die Beseitigung des Platzes vor dem Museum, großer Teile des Asbachgrünzugs und der Abriß mehrere Wohnquartiere (insgesamt 150 Häuser) endgültig beschlossen. Die Stadt und das städtische Planungsamt, deren Mitspracherechte durch die Gauleitung ohnehin eingeschränkt waren, unterdrückten ihre Bedenken. Dazu kam, daß Oberbürgermeister Walther Felix Mueller, der noch 1935 Kritik am Projekt ausgeübt hatte, ein Jahr nach Baubeginn durch Otto Koch abgelöst wurde (1937). Mueller hatte zweifelnd angemerkt, ob die “Einwohnerschaft es begrüßen würde, wenn anstelle der jetzigen Anlage im Asbachtal ein Riesenkomplex entstehe, der die Gefahr in sich schließe, kasernenartig zu wirken”. Den Wettbewerbsvorgaben folgend, umgab Giesler den Platz allseitig mit Gebäuden, so daß von dort kein Durchblick auf die umgebende Bebauung möglich war. Die neue Architektur sollte ohne “störende Fremdeindrücke” zur Geltung kommen. Hitler wiederum wünschte ausdrücklich, daß der Platz vom Straßenverkehr nicht berührt werde, um Kundgebungen nicht zu stören. Der Aufmarschplatz wurde begrenzt im Süden vom Gebäude des “Reichsstatthalters und der Gauleitung”, im Norden von dem “Haus der Gliederungen der NSDAP” (u. a. SA, SS, “Hitlerjugend”, “Bund Deutscher Mädchen”, NS-Kraftfahrer-Korps), im Westen vom Gebäude der “Deutschen Arbeitsfront”; im Osten lag die “Halle der Volksgemeinschaft”. Entsprechend ihrer Funktion als Kultbau der “inszenierten Volksgemeinschaft” war die Halle durch architektonische Gestaltung und Höhe eindeutig als wichtigster Bau der Gesamtanlage ausgebildet. Hier sollten die Menschen in Festen, Feiern und Ritualen immer wieder auf das Regime eingeschworen werden und ihrerseits der nationalsozialistischen “Bewegung” huldigen. Dem Totenkult der NSDAP dienten die nach oben geöffneten Krypten der Treppenanlage, in denen alle verdienstvollen “Kämpfer” für die Sache des Nationalsozialismus in Thüringen feierlich beigesetzt werden sollten.


Den Beginn des Baugeschehens am “Platz Adolf Hitlers” bzw. einzelne Phasen der Bautätigkeit nutzten die Nationalsozialisten zur Inszenierung politischer Großveranstaltungen. Deren ästhetisch-inszenatorische Gestalt sollte die Machtfülle des Regimes ebenso wie die bereitwillige Unterordnung des “Volkes” und der politisch-administrativen Amtsträger öffentlich dokumentieren. Am 4. Juli 1936 erfolgte, anläßlich der 10-Jahrfeier des 2. Reichsparteitags der NSDAP in Weimar (1926), der “erste Spatenstich” für das Gauforum. In Anwesenheit von Hitler und dessen Stellvertreter Rudolf Heß eröffnete Gauleiter Sauckel damit symbolisch die Bauarbeiten. Dies geschah just an dem Platz vor dem Landesmuseum, wo noch kurz zuvor der Brunnen mit der Vimaria-Statue, einer Allegorie Weimars, gestanden hatte. Mit diesem “ersten Spatenstich” war Weimar endgültig in die Achse der politischen Schlüsselstädte des Dritten Reiches aufgenommen worden. Die Kette Berlin-Nürnberg-München hatte nunmehr ihr “schließendes und verbindendes” Mittelglied erhalten. Bedeutend pompöser als das Ereignis vom Juli 1936 fiel die Grundsteinlegung für den Gesamtkomplex Gauforum aus, die Rudolf Heß am 1. Mai 1937 an der “Halle der Volksgemeinschaft” vornahm. Dazu hatte man die Stirnseite der geplanten Halle in realer Größe als Holzfassade hergestellt, vor der eine Ehrentribüne und ein improvisierter Aufmarschplatz angelegt worden waren. Hier versammelten sich etwa 40.000 Menschen aus ganz Thüringen, die meisten von ihnen Angehörige einzelner NSDAP-Formationen, der SA, der SS, des “Bundes Deutscher Mädchen” (BDM) und der “Hitlerjugend” (HJ). Diese formierte Masse nahm in ihrer statischen Aufstellung die Formensprache der geplanten Architektur bereits vorweg. Fast gleichzeitig mit diesem Ereignis setzten die Arbeiten am letztlich größten Bautenensemble des Nationalsozialismus in Weimar ein. Am 15. Juli 1937 trafen auf dem Ettersberg die ersten 149 “Schutzhäftlinge” im Konzentrationslager Buchenwald ein, das in den kommenden Monaten dort eingerichtet wurde. Bereits Ende Juli wurde das Lager unter der Bezeichnung “K. L. Buchenwald, Post Weimar” formaljuristisch zum Ortsteil der Klassikerstadt. Sowohl der Baubeginn am Gauforum wie der auf dem Ettersberg nahm den Weimarern zwei ihrer traditionsreichsten und beliebtesten sonntäglichen Ausflugsziele.

8 Comments

  1. 1
    kolibri
    2. Januar 2008 at 22:01
    Permalink

    Hallo Markus! Ein tolles Forum! Was wohl fehlt, ist die historische und kulturhistorische Grundlage für die Diskussion. Habe den Eindruck, dass das Gauforum in Weimar eher ein Tabuthema ist. Es ist da, aber man spricht nicht darüber, daher auch die Nutzung als Einkaufszentrum, gesellschaftliche Tabus werden gerne mit Sinnes- und Konsumfreuden überstrichen, ein neuer Anstrich, eine Einkaufsgalerie begründen wohl die Hoffnung über die oberflächliche Pragmatik des Einkaufs dieses furchtbare Ding den Herzen der Menschen näher zu bringen und mit Leucht- und Radioreklame eine Erinnerungskultur zu auszublenden. Ich tippe darauf, dass das Ganze ordentlich schief läuft, da die abstoßende Wirkung des Tabus selbst den eingefleischten Konsumfreunden den Einkauf vermiesen wird. Es hätte eine öffentliche Debatte in Weimar und wohl auch außerhalb benötigt, was mit dem Gauforum anzufangen ist, bevor man eine Entscheidung getroffen hätte. Ich würde für den kundigen und unkundigen Besucher Deiner Seite, an Deiner Stelle, etwas mehr Infos bereitstellen, vor allem historische, was das Ziel, die Funktion, die Idee des Gauforums im Dritten Reich gewesen ist. Und zweitens etwas mehr Information über den Umgang mit diesem Scheusal in der DDR-Zeit, hier würden sich möglicherweise Parallelen zum Umgang mit dem Nazionalsozialismus in der DDR und dem derzeitigen Umgang, herleiten können, Stichwort: Tabuisierung und der Schleier einer Ideologie bzw. Kommunismus vs. Konsumption. Der Größenwahn oder ‹bertreibung in der Namensgebung scheint darauf abzuzielen, das Vergangene vergessen zu machen und eine Identifikation mit dem Platz und dem Gebäude unter den Weimarern zu schaffen. Atrium als Begriff hat mehrere Bedeutungen: 1. [lateinisch] das, Anatomie: Vorhof, Vorkammer des Herzens. 2. [lateinisch] das, Architektur: im altitalischen Haus der Hauptraum mit Dachöffnung und Becken zum Auffangen des Regenwassers. Mit ‹bernahme des griechischen Peristyls (Säulenhof) wurde das Atrium zum Empfangsraum. Im Kirchenbau bezeichnet man als Atrium den von Säulenhallen umgebenen Hof vor einer Basilikafassade. Das neuzeitliche Atriumhaus mit angegliedertem Hof oder Garten innerhalb von Umfassungsmauern knüpft an den Grundriss des antiken Wohnhauses an. © 2004 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG Welche spielt wohl nun die größere Rolle? Die zweite wohl wegen der architektonischen Ambitionen. Die erste würde ich als eine Art Metapher nehmen. Durchdacht ist es jetzt nicht aber man könnte das schon ausdeuten, Karl Marx-Platz in der DDR und Weimarer Platz nun im heutigen Weimar. wozu dient wohl diese übertriebene Sinnstiftung bei der _Namensgebung? Toll ist auch das Konzept von Weimar-Atrium, denn wenn ich das beim ‹berfliegen richtig gesehen habe, wird mit keinem Wort die Historie des Gebäudekomplexes genannt. ;) Lange Rede, kurzer Sinn, historisches und vor allem kulturhisorisches (sogar über Weblinks) fehlt ein wenig um die Grundlage für eine angeregte und nicht oberflächliche Diskussion zu schaffen. Würde mich aber auch nicht scheuen, einige provokative Fragen und Deutungen reinzustellen. Viel Erfolg, Kolibri PS: Die Frage nach dem öffentlichen und privaten Raum ist irgendwie leer, konstruiert und künstlich. Gauforum als privater Raum? War, ist und wird es niemals sein. Privat kann nur die eigene tägliche Konfrontation damit sein. Oder zielt das auf die Privatheit des Einkaufs? Gibt es die? usw.

  2. 2
    manefaxx
    2. Januar 2008 at 22:01
    Permalink

    Hallo Kolibri, ich bin nicht deiner Meinung, dass das Ganze schief laufen wird. Eingefleischten Konsumfreunden, wie Du so schön formuliert hast, ist es vordergründig gleichgültig ob das neue Einkaufszentrum früher ein Gauforum oder ein Schweinestall war. Wichtig für die meisten Leute, in der heutigen Zeit der umfassenden Werbung, ist nur der schnöde Konsum . Dazu kommt, das den meisten Menschen in Weimar die Vergangenheit dieses Platzes mit seinen abstoßenden Bauten gleichgültig ist. Das neue Atrium wird ein Erfolg, weil das Fernsehn mit seinem verdummenden Rahmenprogramm für die Werbung, eine Wegbegleiter ist für die Grundlagen solcher Konsumtempel, die er selbst geschaffen hat.

  3. 3
    Markus Schlaffke
    2. Januar 2008 at 22:02
    Permalink

    Hallo Kolibri, Herzlich willkommen und Danke für die anregenden Informationen! In der Tat scheint es so, dass trotz vielfältiger Publikationen tatsächlich viel zu wenig Wissen über den ganzen Komplex “Gauforum” vorzufinden ist. Etwas Geduld - Ich arbeite daran, eine übersichtliche historische Dokumentation hier darzustellen! Ein Punkt der mir in der Saller-Konzeption tatsächlich auffällt, ist folgendes: die historische Dimension des Baus findet nur als einmalige Ingenieursleistung Erwähnung! Ich will hier noch nicht unbedingt Vorsatz unterstellen, aber es ist schon irgendwie typisch - man pickt sich die verwertbaren Häppchen heraus - “deutsche Wertarbeit”, einmalige Ingenieursleistung”… und verschweigt den Rest, weil es sich in der Vermarktungskonzeption damit schlecht argumentieren lässt. Wie gesagt, ich wäre vorsichtig mit dem Vorwurf der Vorsätzlichkeit, aber wenn sich in dieser Art des Umgangs ein Muster abzeichnen würde, fände ich es zumindest bedenklich.

  4. 4
    Jefferson
    2. Januar 2008 at 22:03
    Permalink

    Um den aktuellen Umgang mit dem ehemaligen Gauforum/Mehrzweck-Gebäude in Weimar zu bewerten, kann man ihn in einen Zusammenhang setzen mit der Nutzung ähnlicher Objekte in Deutschland seit der Nachkriegszeit. Nehmen wir als Beispiel die Stadt Nürnberg, die stadtplanerisch und architektonisch durch Nazi-Bauten weiträumig vernarbt wurde und sich in den 60 Jahren seit Kriegsende sehr schwer mit diesem “Erbe” getan hat. Das kann man an der Nutzung des sog. “Collosseums” auf dem sog. “Reichsparteitagsgeländes” gut nachvollziehen. Das beinahe fertiggestellte Riesen-Amphie-Theater dient derzeit als Fuhrpark, Theater-Requisiten-Lager und Ton-Aufnahmestudio. Im Sommer wird der Innenhof des “Colloseums” als Open-Air-Bühne (”Serenaden-Hof” Sic !) genutzt — eine Verwendung, die sogar dem ursprünglichen Zweck des Stadions zitiert, ohne diesen Zusammenhang zu thematisieren. Erst in den 80er Jahren kam es zu einem längerfristigen kulturhistorischen Projekt vor der Kulisse des “Reichsparteitagsgeländes”, und zwar an der Stelle, an der die verbliebenen Fragmente des Aufmarschgeländes sonst als Automobilrennstrecke und Football-Stadium (!!) genutzt werden/wurden. Die Rede ist von der Dauerausstellung “Faszination und Gewalt”, die zu ihrem Beginn mehr als umstritten war.  (http://www.kubiss.de/kultur/info/kpz/Schule/29_1_10.htm) Von diesem Projekt abgesehen ist das riesige Gelände am Nürnberger Dutzendteich nach wie vor eine Ansammlung von halbfertigen Einzel-Objekten, düster-romantischen Ruinen und tatsächlich dringend nötigen Freizeitflächen für Nürnbergs Stadtwüsten-Bewohner. Im Sommer kann man auf den grossen Freiflächen Tausende von Menschen erleben, die Fußball spielen, grillen und picknicken — besonders in den 80er Jahren ergab diese Mischung eine bizarre Szenerie : Man sah Familien aus den Nürnberger Arbeitervorstädten, viele “türkische Gastarbeiter-Familien” und amerikanische Soldaten und ihre Angehörigen beim Grillen und über den Dutzendteich Rudern, vor einem Horizont, der durch teilweise verfallene marmorne Monumental-Architektur gebildet wird. Wenn das der “Führer” noch erlebt hätte… Spannend wäre bei einer Bewertung des Umgangs der Stadt Nürnberg mit dieser architektonischen Nazi-GEGENWART eine Einschätzung des langjährigen Kultur-Dezernenten Glaser. Lebt der noch ? Vielleicht kann jemand im Forum dazu etwas beitragen.

  5. 5
    Jefferson
    2. Januar 2008 at 22:04
    Permalink

    Ich antworte mir flugs selbst : Glaser lebt . Guckt man hier : http://www.br-online.de/franken/themen/autoren/glaser.html

  6. 6
    1000schönchen
    2. Januar 2008 at 22:05
    Permalink

    Wünsche mir…
    dass das Ganze Gebiet wieder umbenannt wird und zwar weg von diesem nichtssagenden “Weimarplatz”. Mein Vorschlag ist “Asbach-Aue”, hab ich mal irgendwo gehört und find das schön.

  7. 7
    Tyalis
    2. Januar 2008 at 22:06
    Permalink

    Re: Wünsche mir…
    Hoy, der Asbachgrünzug wurde mitte der dreissiger Jahre komplett zugeschüttet. Von den sog. Asbach-Auen ist also nicht mehr viel übrig - wieso also eine Umbenennung in gerade diesen Namen?

  8. 8
    Tyalis
    2. Januar 2008 at 22:08
    Permalink

    Wenn ich das recht bedenke hatte der Asbach nichteinmal Auen… Auen gibts bei großen Flüssen (schonmal an den Ruhr-Auen in Bochum gewesen…?)… Der Asbach-Grünzug war eher ein überdimensionierter Park, der schlicht und ergreifend die Altstadt vom (damals für untere soziale Schichten vorgesehenen) Bahnhofsviertel getrennt hat. Nich mehr als ein Webicht für Arme…